Rede beim Nuclearban Marathon, Zwischenstation Mannheim, 8. August 2026

Maximilian Heßlein

Herzlich willkommen in Mannheim Euch allen, die Ihr heute Morgen in Bretten aufgebrochen seid, um unser aller Anliegen einer atomwaffenfreien Welt in die Region zu tragen und dafür zu demonstrieren.

Herzlich willkommen, Euch, die Ihr 81 Jahre nach der nuklearen Vernichtung der beiden japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki in Erinnerung ruft, unter welcher Bedrohung und welchem Damoklesschwert wir leben, wenn es uns nicht gelingt, diese Waffen endgültig von der Erde zu verbannen.

Herzlich willkommen, Euch allen, die Ihr mit uns festhaltet und in die Welt stellt, was vor 30 Jahren vom internationalen Gerichtshof festgestellt worden ist: Die atomare Bewaffnung und der mögliche Einsatz solcher Waffen ist ein Unrecht und ein Verbrechen an den Menschen. Sie „verstoßen grundsätzlich gegen die Regeln des humanitären Völkerrechts.“ Es „besteht die völkerrechtliche Verpflichtung zu vollständiger nuklearer Abrüstung.“

Ja, herzlich willkommen. Wir freuen uns sehr, dass Ihr da seid. Maximilian Heßlein heiße ich und bin Wirtschafts- und Sozialpfarrer der Evangelischen Kirche in Mannheim. In großer Solidarität grüße ich Euch aus dem Friedensbündnis Mannheim zu diesem Tag. Ich freue mich, hier dabei zu sein. Gerade auch in diesen schwierigen Zeiten.

Vor etwas mehr als fünf Jahren habe ich schon einmal genau hier auf diesem Platz gestanden und eine Rede zur atomaren Bewaffnung gehalten. Damals ist der Atomwaffenverbotsvertrag im 22. Januar 2021 in Kraft getreten, weil ihn 122 Länder ratifiziert hatten.

Ich habe damals gesagt: „Es ist wirklich ein Tag, den wir feiern sollten und uns darüber freuen, dass es gelungen ist, endlich diese Waffen aus der Welt zu verbannen. Es ist ein weltgeschichtlicher Tag. Die atomwaffenfreie Welt ist da.“

Das habe ich damals schon als eine Utopie gekennzeichnet und ist es heute ja immer noch. Nicht nur, dass es keine weitere Entwicklung zur Abschaffung gegeben hat. Vielmehr hat sich die Spirale ja weiter gedreht. Wir reden wieder über immer mehr Aufrüstung, über immer mehr Waffen und immer mehr Soldaten. Zwischen den USA und Saudi Arabien wird ein neuer Deal vorbereitet unter Umgehung des Atomwaffensperrvertrages.

Ja, die Gefahr wächst wieder. Das ist bitter festzuhalten. Es gibt die Atomwaffen weiterhin. Sie lagern in den Bunkern, auch hier Deutschland. Eine Kooperation innerhalb Europas zum Ausbau und zur eigenen Fähigkeit der Europäer, Atomwaffen einzusetzen, wird intensiv diskutiert.

Die nukleare Abschreckung, die ja nichts anderes ist als eine Drohgebärde gegen andere Staaten soll glaubwürdig bleiben.

Wer wie ich, Jahrgang 1971, mitten im Kalten Krieg auf die Welt gekommen ist und die Diskussionen um die Hochrüstung und deren massiven Ausbau mit Mittelstreckenwaffen in den 1980er Jahren erlebt hat, der kann eigentlich gar nicht anders, als fassungslos vor dieser Entwicklung zu stehen und zu sagen: Wir wollen, diese Waffen nicht, die in Sekundenschnelle ganze Städte ausradieren, hunderttausende von Menschen töten und Länder verwüsten und verseuchen. Wir wollen diese Waffen nicht, weil sie die Bedrohung erhöhen und unendliches Leid in diese Welt bringen. Wir wollen diese Waffen nicht, weil sie Unsummen von Geld verschlingen, das vor allem von denen geholt wird, die eh nichts haben.

Wir wollen diese Waffen nicht. Wir wollen sie nicht in dieser Stadt, nicht in unserem Land und nicht auf dieser Erde. Wir halten die Fahne des Friedens und der Verständigung hoch. Die aber kann keine Wirkung haben und nicht gesehen werden, wenn wir uns gegenseitig mit der Vernichtung bedrohen.

Wer den Frieden will, muss sich für den Frieden rüsten, muss also für eine umfassende Verständigung, für Ausgleich und Freundschaft sorgen, und muss endlich diese Waffen weltweit im Westen und im Osten, im Norden und im Süden unschädlich machen.

So geht an diesem Tag im Gedenken an die über 200 000 Toten nach den Bombenabwürfen in Japan vor 81 Jahren unser Appell an die Verantwortlichen in der Politik und in der Gesellschaft, sich ohne Wenn und Aber gegen die Entwicklung, die Herstellung, die Lagerung, die Verbreitung, die Drohung und den Einsatz dieser Waffen einzusetzen und sich also den Atomwaffenverbotsvertrag auch hier in Deutschland zu eigen zu machen, ihn in die Hand zu nehmen und ihn für eine friedliche Zukunft des Lebens zu unterschreiben und dann natürlich auch umzusetzen.

Es braucht dazu, das ist die Konsequenz, natürlich ein Ende der nuklearen Teilhabe Deutschlands, damit dieses Land glaubwürdig für ein Ende nuklearer Bewaffnung weltweit eintreten kann.

Es braucht dazu auch ein Ende des Aufrüstens und der Wiedererlangung von Kriegstüchtigkeit.

Es braucht dazu endlich einen echten Anfang von Friedenswilligkeit und ökonomischer und sozialer Gleichheit in diesem Land und auf der ganzen Welt.

Und es braucht den Willen, das Völkerrecht zu achten und in die Tat zu bringen, damit es die Basis unseres friedlichen Zusammenlebens sein und bleiben kann.

Auch dieses Land, unsere Stadt, wir alle haben als Gesellschaft eine Verantwortung dafür, dass diese Waffen ein für alle Mal aus der Welt geschafft werden. Die Geschichte lehrt uns. Auch unsere eigene.

Möge der Engel des Friedens, wie er uns seit den 50er Jahren in dieser Stadt und seit langer Zeit hier in der Nachbarschaft in E6 mahnt, ein stetiger Begleiter unserer Wege sein, damit es doch gelingt, wie es verheißen ist, dass aus den Werkzeugen der Vernichtung, Werkzeuge des Friedens, des Miteinander und des Glücks werden.

Ihr kennt alle das alte Leitwort der kirchlichen Friedensbewegung, Ursprung in der DDR: Schwerter zu Pflugscharen. Es steht so beim Propheten Micha als Vision und Möglichkeit einer anderen, besseren Welt. Ja, diese Welt ist möglich.

Gehen, fahren wir gemeinsam die Schritte und Wege hin in diese andere, friedliche und lebenswerte, diese gerechte Welt der freien und der gleichen Menschen in einer solidarischen Gesellschaft.

Danke, dass Ihr das in die Welt bringt.

Danke, dass Ihr Euch auf den Weg gemacht habt und weiter macht.

Danke, dass Ihr nicht locker lasst gegen alle Widerstände dieser Zeit.

Behütete Wege Euch allen.