Start Mannheim ohne Militär Geprellter Kriegsgewinnler?
24 | 09 | 2017
Geprellter Kriegsgewinnler? PDF Drucken
Montag, den 04. April 2011 um 01:35 Uhr

Ex-Abgeordneter Klaus Reichardt (CDU) verklagt Container-Unternehmer Graeff (CDU)

Reichardt will Vermittlungsprovision für Bundeswehraufträge in Afghanistan

Fast ging es im Landtagswahlkampf unter, dass man derzeit sehr konkret erleben kann, wie Lobbytätigkeit und Afghanistankrieg von einem Mannheimer Politiker für einen Mannheimer Unternehmer betrieben werden. Die Rede ist von Containerhersteller Heinrich Graeff und dem ehemaligen Abgeordneten Klaus Reichardt, beide aktive CDU-Mitglieder.

Graeffs Unternehmen erzielte mit dem Bau von Containern und Hallen 2010 einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro. Kunden sind die Autoindustrie aber auch Städte und Gemeinden, die Container für Kitas und Schulen kaufen und ein weiterer wichtiger Auftraggeber. Reichardt war CDU-Abgeordneter im Bundestag (1994 bis 1998) sowie seit 2011 im baden-württembergischen Landtag, aus dem er kurz vor Ende der Legislaturperiode zurücktrat. Daneben ist Reichardt selbstständiger Industrie- und Verbandsberater und ist Inhaber der Industrie- und Verbandsconsulting Reichardt GmbH.

Was machte Reichardt für Graeff so interessant, dass er mit dem ehemaligen Mitglied im Verteidigungsausschuss einen Beratervertrag schloss, demzufolge Reichardt von 1999 bis zum April 2008 monatlich 1.000 Euro von Graeff erhielt? Wenn man weiß, dass Reichardt Mitglied des Präsidiums der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik e. V., DGW (eine Interessenorganisation der Rüstungsindustrie) und Sektionsleiter Nord-Baden der DGW ist, dann wird schnell klar, dass es die guten Kontakte waren, die den Bloomaul-Ordensträger Heinrich ("Heiner") Graeff in den zehn Jahren zusammengerechnet eine Summe von 120.000 Euro plus Vermittlungsprovisionen wert waren.

Graeff hat das Image eines Mannheimer Originals, der nie um einen Witz verlegen ist und war ein Grund, ihn in den honorigen Kreis der Bloomaul-Ordensträger aufzunehmen. Es dürfte aber auch dem Umstand zu verdanken sein, dass Graeff als ehemaliger Präsident des Fußballvereins VfR Mannheim und CDU-Kreisvorstandsmitglied sowie als erfolgreicher Unternehmer zu Mannheims einflussreichen Kreisen gehört. Den unternehmerischen Erfolg verdankt er nicht zuletzt 78 Beschäftigten, die in der Mannheimer Firmenzentrale mit einem Arbeitsvertag bei Graeff arbeiten. Daneben gibt es ein Produktionswerk in Lübars (Sachsen-Anhalt) und in Mannheim.  In letzterem sind weitere 70 Personen für Graeff tätig. Diese sind aber nicht mit als Arbeitnehmer mit Arbeitsvertrag sondern sind als Subunternehmer für den Mannheimer Unternehmer und Sponsor des Blumenpeterfestes tätig.

Graeff hat einen Riecher dafür, wo schnell zu errichtende Räumlichkeiten und damit seine Container oder Hallen gebraucht werden. Dass die  Bundeswehr aufgrund zunehmender Auslandseinsätzen einen Bedarf an rasch zu montierten Hallen und Container  hat, war Graeff klar. Und mit dem auch in der Deutschen Atlantischen Gesellschaft aktiven Reichardt hatte er offensichtlich den richtigen Vermittler für entsprechende Aufträge gefunden. Offensichtlich ging die Rechnung auf, denn wie der Mannheimer Morgen am 21. 11. 2006 berichtete konnte Graeff „seinen Umsatz mit der Armee innerhalb eines Jahres mehr als verdreifachen – auf aktuell 6,5 Millionen Euro. Derzeit montiert Graeff in Kabul und Kundus 25 Materiallagerhallen und zwei Flugzeughangars, im Kosovo stehen bereits 35 Stahlhallen.“ Bis 2009 wuchs die Zahl der von Graeff gebauten Hallen in Afghanistan auf 38.

In Afghanistan verschlechterte sich die Sicherheitslage so sehr, dass sogar Bundeskanzlerin Merkel die Bezeichnung Krieg nicht länger leugnen konnte. Für Kriegsgewinnler Graeff war wohl weniger die Sicherheitslage das eigentliche Problem sein, sondern vielmehr ein hefitger Konflikt mit Reichardt. Wie der Mannheimer Morgen am 26. März 2011 berichtete, wird dieser jetzt sogar vor Gericht ausgetragen. Reichardt hat Graeff nämlich auf die Zahlung von 230.000 Euro verklagte für die Vermittlung von Verträgen über die Lieferung von Containern vor allem an die Bundeswehr in Afghanistan.

Zu welchem Ergebnis das Landgericht am Ende kommt und wer als Gewinner aus der Verhandlung am 10. Juni 2011 kommt, wird sich erweisen. Ein Verlierer steht allerdings heute schon fest: Der gute Glaube daran, dass bestimmte Politiker die Interesse des Volkes vertreten und nicht jene bestimmter Auftraggeber. Verlierer sind auch die Steuerzahler, die den Kriegseinsatz in Afghanistan mehrheitlich und seine immensen Kosten ablehnen. Und Verlierer ist auch die afghanische Bevölkerung, der das Geld für Waffen und Soldaten für den zivilen Aufbau entgeht.