Start Mannheim ohne Militär Optimismus in der Akademie
26 | 07 | 2017
Optimismus in der Akademie PDF Drucken
Sonntag, den 20. Februar 2011 um 19:40 Uhr

Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik (BAkWVT) in Mannheim will feiernLogo der Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik in Mannheim

Mit „Optimismus in der Akademie“ überschrieb Journalist Peter W. Ragge seinen vierspaltigen Artikel im Mannheimer Morgen vom 17.12.2010, mit dem er auf die Zukunft der höchsten zentralen Bildungseinrichtung der zivilen Bundeswehrverwaltung einging. Anlass für eine gewisse Sorge bei allen Bundeswehrfreunden war eine Aussage im Bericht der Strukturkommission zur Reform der Bundeswehr. Darin ist (sehr pauschal) eine Einbindung der Bundesakademie in die Führungsakademie der Bundeswehr angeregt. Für die in Mannheim wenig bekannte Bundestagsabgeordnet Birgit Reinemund (FDP) war das Grund genug, ihre Besorgnis um die weitere Existenz der Einrichtung in Form einer Bundestagsanfrage zu thematisieren.

Von Zukunftssorge keine RedeLogos von Bundesakademie für Wehrverwaltung und Wehrtechnik, Fachhochschule der Bundeswehrverwaltung und Bundeswehrverwaltungsschule Technik

Offensichtlich teilt die Akademie die pessimistische Einschätzung der FDP-Politikerin nicht, vielmehr betont Akademie-Präsident Klaus Niemeyer seine Gelassenheit angesichts des diskutierten Umbaus der Bundeswehr. In Ragges Bericht, für den das alljährliche Benefiz-Adventskonzerts der Akademie der Anlass war, ist die Rede davon, dass man sich sogar eine Vergrößerung der Akademie vorstellen kann.

Die BAkWVT verfügt über 103 Mitarbeiter, die im letzten Jahr 458 Lehrgänge organisierten, an denen rund 12.000 Personen teilnahmen, darunter Soldatinnen und Soldaten, die für Auslandseinsätze wie etwa den Afghanistankrieg geschult werden. Darin wie auch in den Fachtagungen und Symposien der Akademie drückt sich aus, wie wichtig die Mannheimer Einrichtung für den Militärapparat ist.

Bundeswehr macht Mannheim zur Kaderschmiede

Angesichts längst geschlossener Bundeswehrkasernen in der Stadt mag diese Aussage befremdlich erscheinen. Die Einschätzung stammt ebenfalls aus der Feder von Journalist Ragge, der über beste Beziehungen zur Bundeswehr verfügt. Unter der Überschrift „Bundeswehr setzt auf Mannheim“ (22.3.2010) beschreibt er eine neue Form der zivil-militärischen Zusammenarbeit in Form von Studiengängen, die in Kooperation zwischen Dualer Hochschule Baden-Württemberg (vormals Berufsakademie) und Hochschule Mannheim einerseits und der BAkWVT anderseits seit dem 1. Oktober 2009 bzw seit dem 15. März 2010 angeboten werden und den Ingenieurmangel in der Truppe beseitigen sollen. Die praktische Ausbildung absolvieren die Studierenden jeweils auf dem sogenannten Bildungscampus Neuostheim, wie die Akademie sowie zwei weitere Einrichtungen der Bundeswehrverwaltung (die Fachhochschule der Bundeswehrverwaltung und die Bundeswehrverwaltungsschule Technik) zusammenfassend und modern klingend genannt werden.

Bundeswehr baut Bildungscampus in Neuostheim aus

Momentan wird das erst 30 Jahre alte Hauptgebäude der Akademie saniert, was die Steuerzahler zehn Millionen Euro kosten wird (MM 17.12.2010). Aber damit nicht genug, denn für insgesamt weitere 8,7 Millionen Euro wurden nach Angaben der Akademie Unterkunftsgebäude brandschutz- und gebäudetechnisch auf den neuesten Stand gebracht. Interessant ist, dass einige dieser Bauprojekte über das Konjunkturprogramm II der Bundesregierung finanziert werden. Wie der Mannheimer Morgen berichtet, will der Bund 2011 weitere 40 Millionen Euro in ein neues Hörsaalgebäude sowie in Ersatz und Ausbau weiterer Unterkünfte stecken, die dann 510 statt 426 Betten bieten werden. Ob es stimmt, wenn die Akademie behauptet, dass sie „mit 180.000 Übernachtungen auch die größte Beherbergungseinrichtung in Mannheim“ sei, soll hier nicht weiter überprüft werden. Allerdings deuten diese Zahlen darauf hin, dass auch in Zukunft aufgrund militärischer Anlässe und Entscheidungen zahlreiche Menschen nach Mannheim kommen und hier übernachten . Es bedarf nämlich auch eines großen formal zivilen Apparates, damit die Bundeswehr mehr als 7.000 „Einsatzkräfte“ in elf Auslandseinsätzen schicken kann (Stand Oktober 2010) wie es in der Broschüre "Wehrverwaltung im Einsatz. Ein Überblick" des Verteidigungsministeriums heißt.

50-jähriges Jubiläum 2011

„Mit Erlass vom 5. Mai 1961 hat Verteidigungsminister Dr. Franz Josef Strauß die Akademie“ gegründet, schreibt Präsident Niemeyer in den „akademie nachrichten“ Ausgabe 2009. Anerkennend formuliert er weiter: „Noch in jenem Jahr finden bereits 10 Lehrgänge mit 341 Teilnehmern statt“ und schließlich mit Bewunderung: „So schnell ging das damals.“

In den akademie nachrichten 2010 lässt Niemeyer die LeserInnen wissen, mit welchen Veranstaltungen das Jubiläum begangen wird. Start für das Jubeljahr ist ein Festakt am 4. Mai zu dem auch Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) eingeladen ist. Für die Öffentlichkeit schließt sich am 9. Juli ein „Tag der Information“ mit Ausstellung und Vorführung zum Thema „Ausrüstung Soldat im Einsatz“ an. Am 5.und 6. September folgt ein Symposium und am 29. September ein abschließendes Benefizkonzert im Rosengarten.

Akademie-Symposien: Dialogforen für Bundeswehr, Wissenschaft und Rüstungsfirmen

Die von der BAkWVT organisierten Fachtagungen und Symposien sind ein wichtiges Forum für Vertreter aus Wehrverwaltung, Rüstungsbereich, Streitkräften, Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen, Industrie, Wissenschaft und Wirtschaft. In einem Flyer der BAkWVT lobt sie ihre Symposien als „die ideale Plattform zur Entwicklung neuer Ideen und Konzepte in freier und offener Diskussion.“ Um Vernetzung und Diskussion kümmert sich die Akademie auch, indem sie an der Internationalen Luftfahrtmesse 2010 in Berlin in Kooperation mit dem Lobbyverband Bund der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie teilnahm.

Welche Referenten aus Forschung und Rüstungsfirmen die BAkWVT-Symposien nicht selten zu Publikumsmagneten machen, zeigt beispielsweise das Symposium im Februar 2011 zum Thema „Technologie für intelligenten Schutz.“ Gemeint ist dabei der Schutz von Soldatinnen und Soldaten im Krieg. Neben Vortragenden aus verschiedenen Fraunhofer Instituten, die sich mit militärischer Forschung und Entwicklung beschäftigen, ist die Rüstungsindustrie durch einen Referenten der Diehl BGT Defence GmbH & Co. KG, Röthenbach (nahe Nürnberg) vertreten. Bei den Fraunhofer Instituten handelt es sich u. a. um das Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) in Karlsruhe und Ettlingen sowie um das Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut in Freiburg.

Terrordrohungen in Deutschland

Man erinnert sich vielleicht noch daran, dass es in den letzten Jahren Terrorwarnungen von höchsten Stellen gegeben hat, beispielsweise von Innenminister de Maizière. Auch die akademie nachrichten widmen sich dem Thema „Terrordrohungen in Deutschland und die Sicherheit am Bundeswehr-Standort Mannheim“ und weisen darauf hin, dass die BAkWVT den „Standortältesten Mannheim“ stelle. Dieser „arbeitet eng mit den Mannheimer Behörden zusammen und nahm an der Sicherheitskoordinierungsbesprechung unter Leitung des ersten Bürgermeisters teil. Mit großer Professionalität und hohem Verantwortungsbewusstsein zogen die für die Sicherheit Verantwortlichen der Stadt, der Landes- und Bundespolizei, der Bundeswehr, der Feuerwehr, des Gesundheitswesens, der Verkehrsbetriebe und weitere an einem Strang.“

Entwicklungsminister Niebel in der BAkWV

Es ist wohl weniger der räumlichen als der inhaltlichen Nähe geschuldet, wenn der aus Heidelberg stammende Minister für Entwicklungszusammenarbeit Dirk Niebel (FDP) am 2. März 2011 den so genannten Bildungscampus in Neuostheim besucht. Reserveoffizier Niebel ist schließlich dafür bekannt, dass er ein großer Befürworter der zivil-militärischen Zusammenarbeit ist, bei der die Entwicklungshilfe unter militärischen Gesichtspunkten betrachtet und nach den Vorstellungen der Bundeswehr in ihr Verständnis von Sicherheit eingebunden wird. Niebel wurde in der Vergangenheit kritisiert, weil nicht recht klar ist, ob ihm die Ziele der Bundeswehr oder die der Entwicklungszusammenarbeit wichtiger sind. Möglich, dass er in seinem (anscheinend nicht öffentlichen) Vortrag über „Vernetzte Sicherheiten“ mehr dazu verraten wird.