Start Mannheim ohne Militär Bundeswehr- und Militäraufträge für die Metropolregion
19 | 09 | 2017
Bundeswehr- und Militäraufträge für die Metropolregion PDF Drucken
Donnerstag, den 30. September 2010 um 21:19 Uhr

Unternehmen in Mannheim und der Metropolregion Rhein-Neckar, die für militärische Zwecke arbeiten

In Mannheim und der Umgebung gibt es Unternehmen, die die Bundeswehr beliefern wie beispielsweise die Graeff GmbH mit Containern und Stahlhallen. Daneben produzieren Betrieb wie Rockwell Collins aber auch Bauteile, die in Waffen eingebaut werden z. B. Cockpitanzeigen für den Eurofighter. Es handelt sich sowohl um kleinere Unternehmen wie Lucebit wie auch um hiesige Tochtergesellschaften von transnationalen Konzernen wie Tyco Electronics etwa. Auch wenn die Produkte eher unspektakulär sind oder das Militärgeschäft nur eine marginale Rolle spielt, so sind die Lieferanten dennoch Teil eines riesigen Militärapparats, der in gigantischem Maße menschliche Schaffenskraft und Kreativität verschlingt. Andererseits sind das gute Ausgangsbedingungen angesichts der Tatsache, dass diese Unternehmen wichtigeres und wertvolleres herstellen könnten. Man denke nur an Güter und Dienste, die für die Gesundheitsversorgung dienen oder in der Katastrophenvorsorge und -hilfe dringend gebraucht würden. Ein LKW kann gleichermaßen für zivile wie militärische Zwecke eingesetzt werden und stellt ein so genanntes Dual-use-Produkt dar. Für derartige Produkte wäre Konversion zumindest kein technisches Problem, weil keine neuen Erzeugnisse ertüftelt werden müssen und keine Fertigungsstraßen umgestellt werden müssen.

·      ASG Luftfahrttechnik und Sensorik GmbH, Weinheim

ASG liefert für den Eurofighter, den MRCA Tornado und den Airbus A-400 hydraulische Stellzylinder und elektromechanische Stellantriebe und daneben auchVentile sowie Sensoren und Aktoren. Standort der ASG ist der Ortsteil Weinheim-Waid. Dort erwirtschaften die 150 Beschäftigten für die ASG einen Jahresumsatz von 20 Mio. Euro.

ASG wurde 1958 als Internationale Fluggeräte und Motoren GmbH von ehemaligen Mitarbeitern der Junkers-Flugzeug- und Motorenwerke gegründet. 1960 übernahm AEG Telefunken 80% des Kapitals und 1974 die restlichen 20% Damit war eine Umbenennung in AEG Sensorsysteme GmbH, kurz ASG verbunden.

Seit 2002 gehört ASG den heutigen Geschäftsführern Wolfgang Diefenbach und Rolf-J. Ahlers. Ahlers ist Vorsitzender des Forums Luft- und Raumfahrt Baden-Württemberg e.V., in welchem rund 50 Firmen und Institute aus Südwestdeutschland organisiert sind, darunter Daimler, Airbus, EADS, ZLT Zeppelin und Rockwell Collins (MM 22. 11. 2006) Ahlers hebt gerne hervor, dass nicht nur Bayern, sondern auch Baden-Württemberg eines der führenden Bundesländer für die Luft- und Raumfahrt-Branche ist.

 

·      Bilfinger Berger AG, Mannheim
Der international tätige Baukonzern war über seine Tochter Bilfinger Berger Hochbau GmbH am im Zuge der Verlegung der US Air Base von Frankfurt nach Ramstein am Ausbau der Air Base beteiligt. Bei dem 15 Mio. Euro teuren Projekt ging es ab Mai 2006 um den Ausbau und die Verlängerung (von 2.400 auf 3.000 Meter) der Start- und Landebahn Nord. Die größten Transportflugzeug der US Air Force soll dort nämlich auch im voll beladenen Zustand sicher starten und landen können.

Aufgrund eines staatsanwaltschaftlichen Vermittlungsverfahrens gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Tochtergesellschaft von Bilfinger Berger wegen Korruptionsverdachts droht dem Unternehmen die Gefahr, Anschlussaufträge zu verlieren. Wegen Korruptionsverdachts beim ersten Ausbauabschnitt (1997 bis 2001) für die Air Base hatte die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern bereits 2005 gegen 15 Verdächtige ermittelt darunter Mitarbeiter von Baufirmen und einer Militärdienststelle sowie Landesbedienstete.
Einen weiteren Auftrag der US-Armee bekam Bilfinger Berger 2008 für den Bau eines Gebäudes auf einem US-Militärgelände in Bulgarien für 2.500 Soldaten im Wert von 43 Mio. Euro.

 

·      Graeff Container und Hallenbau GmbH, Mannheim

Das Heinrich („Heiner“) Graeff gehörende Familienunternehmen profitiert von den Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Wie der Mannheimer Morgen am 21. 11. 2006 berichtete konnte Graeff „seinen Umsatz mit der Armee innerhalb eines Jahres mehr als verdreifachen – auf aktuell 6,5 Mio. Euro. Derzeit montiert Graeff in Kabul und Kundus 25 Materiallagerhallen und zwei Flugzeughangars, im Kosovo stehen bereits 35 Stahlhallen.“ Bis 2009 erhöhte Graeff die Zahl der Hallen in Afghanistan auf 38. Mit seinen 95 Beschäftigten (85 in Mannheim) erwirtschaftete Graeff 2008 einen Umsatz von 50,5 Mio. Euro.

Das Mannheimer Original Heiner Graeff (Jahrgang 1943) genießt in den Lokalmedien das Image des erfolgreichen Machers und guten Kumpels mit vielfältigem (auch sozialem) Engagement und Kontakten. Einen davon pflegt er zum General a. D. Gerhard Back. Der aus Mannheim stammende ehemalige Inspekteur der Luftwaffe war bis 2007 im NATO-Stab für den Afghanistan-Einsatz zuständig.

Seit 2002 besitzt Graeff das CDU-Parteibuch und ist dort Mitglied der Mittelstandsvereinigung (MIT) und im Kreisvorstand. Im Jahr 2007 wurde ihm der „Bloomaulorden“ verliehen. Das ist eine Auszeichnung, die der ehemalige Herausgeber des Mannheimer Morgens Rainer von Schilling ins Leben gerufen hat. Damit werden lokale Größen und Originale geehrt, die Mannheims Lokalpatriotismus stärken.

Der nie um einen Witz verlegende Graeff stand zehn Jahre lang als Präsident an der Spitze des Fußballvereins VfR Mannheim, sozial engagierte er sich u. a. für das Blumenpeter-Fest. Graeff ist alles andere als ein Intellektueller sondern mehr der hemdsärmelige Do-it-yourself-Man, der 1968 den väterlichen Kleinbetrieb mit damals vier Mitarbeitern übernahm. Graeff über seine damalige Aktivitäten: „Erst habe ich mitgearbeitet, Holzhäuser verkauft, auf- und abgeladen, Baracken für Gastarbeiter aufgebaut“ (MM 7.2.2007).

Eine anonyme Bombendrohung sorgte im September 2009 am Firmensitz in Mannheim-Rheinau für Aufregung. Zu Spekulationen, die Bombendrohung könne mit den Stahlhallen für die Bundeswehr in Afghanistan zu tun haben, sagte Graeff den MM-Journalisten, „aber das sind zivile Güter und keine Raketen oder Panzer.“ (MM 29.09.2009)

 

·      LiPPERT Embedded Computers GmbH, Mannheim
Die LiPPERT Embedded Computers GmbH entwickelt und vertreibt innovative Embedded PC Boards und Systeme. Beliefert werden Systemintegratoren und OEMs in so unterschiedlichen Märkten wie Automotive, Automatisierung, Medizintechnik, Militärtechnik sowie Luft- und Raumfahrt. Der Hauptstandort des Unternehmens ist in Mannheim. Ein eigener Vertriebsstandort in Atlanta/Georgia sichert Kunden in Nordamerika und Kanada schnelle Reaktionszeiten und fachkundigen Support. (Selbstdarstellung im Internet)

 

·      LUCEBIT GmbH. Airport Technology, Mannheim

Das mittelständische Unternehmen befasst sich u. a. mit Flughafenbeleuchtungssystemen (der sog. Flughafenbefeuerung) für Zivil- und Militärflughäfen. In seiner Imagebroschüre listet Lucebit etliche Referenzen für die militärische Flughafentechnik auf.

- Airport des NATO Hauptquartiers in Heidelberg

- US Heliport Landstuhl (Ramstein)

- NATO Airbase Spangdahlem

-AWACS Basis Geilenkirchen-Teveren

- US Armee Flugplatz Illesheim

- US Armee Flugplatz Grafenwöhr

- NATO-Flugplatz Jagel

- Bundeswehr Flugplätze Nörvenich, Lechfeld, Manching, Eggebek.

 

Lucebit wurde 2002 gegründete von drei Managern des früheren Geschäftsgebietes Flughafenbefeuerung der ABB Airport Technologies GmbH als Management-by-out .Das lateinische Wort lucebit bedeutet „es wird leuchten“.

2009 beschäftigte Lucebit 40 Mitarbeiter, die einen Umsatz von 10 Mio. Euro erwirtschafteten. An der Spitze stehen Jürgen Burghardt, Jan Hupkens und Klaus Peters.

Lucebits Sitz ist MA-Neuostheim nahe des Flughafens am Konrad-Zuse-Ring; eine Produktionsstätte befindet sich in Dresden.

 

·      PFW Aerospace AG, Speyer
Das 1913 als Pfalz-Flugzeugwerke gegründete Unternehmen entwickelt und produziert Rohrleitungs- und Frachtladesysteme sowie Strukturbauteile. Wie PFW nicht verhehlt, dienen sie als Komponenten folgender Waffensysteme: Airbus A310 MRTT, Eurofighter Typhoon, Panavia Tornado, Eurocopter EC 135, Westland EH 101 Merlin, Airbus A400M und Nimrod (BAE).
An seinem Hauptsitz beschäftigt PFW rund die Hälfte der weltweit 2200 Mitarbeiter und ist damit größer Arbeitgeber in Speyer. Der Umsatz betrug 2009 rund 220 Mio. Euro.

Heute gehört PFW dem US-Investor Safegard und war davor aber lange ein Teil der ehemaligen Tochtergesellschaft DASA des Daimler-Konzerns. Dieser wollte das Werk in Speyer mehrmals schließen und verkaufte es zum 1. Januar 1997 für eine D-Mark an die Beschäftigten.

 

·      Rockwell Collins Deutschland GmbH, (bis 2006 Teldix GmbH) Heidelberg-Wieblingen

Rockwell Collins (RCD) stellt u. a. Avionikcomputer her. Im Eurofighter sind davon alleine sechs derartig Rechner eingebaut z. B. für die Navigation oder die Cockpitanzeigen. In einem Eurofighter stecken RCD-Komponenten im Wert von 30 Mio. Euro. Bei 710 Eurofighter, die mit Teilen aus Heidelberg bestückt werden, ergibt das eine Gesamtsumme von 21,3 Mrd. Euro.

Für das MRCA Tornado Kampfflugzeug betätigt sich RCD im Service und liefert für den Transporthelikopter NH 90 Computerkomponenten. Aus Heidelberg stammt auch das gesamte rund 40 Millionen Euro teure Cockpit des Transporthubschraubers CH-53, welches RCD als integriertes Paket an Eurocopter Deutschland in Donauwörth liefert.

Als Teldix GmbH war RCD bereits am skandalträchtigen Pannenflugzeug F-104 Starfighter beteiligt und etliche Jahre später am Tiger Kampfhubschrauber.

Mit 460 festangestellten Beschäftigten erwirtschaftete RCD 2006 einen Umsatz von 95 Millionen Euro. ( Wirtschaftsmorgen 23. 5. 2007; vierteljährlich veröffentlichte Beilage des MM)

Teldix wurde 1960 von AEG Telefunken und dem US-Konzern Bendix gegründet und gehörte bis 1996 zum Bosch-Konzern. Die folgenden Eigentümer waren Litton Industries und Northrop Grumman sowie seit 2005 schließlich Rockwell Collins (3,86 Mrd. US-Dollar Umsatz, 19.000 Beschäftigte).

 

·      Tyco Electronics AMP GmbH, Speyer

Das Unternehmen ist die deutsche Tochter des aus den USA stammenden Mischkonzerns Tyco Electronics Ltd. Wie aus einer Stellenanzeige des Unternehmens hervorgeht ist das Unternehmen u. a. in den Bereichen Luft- und Raumfahrt sowie „Verteidigungselektronik“ und ansonsten im Brandschutz sowie der Sicherheits- und Medizintechnik tätig.

Die deutsche Tochter ist „führender Entwickler für innovative Steckverbinder und Steckverbinder-Technologie“ mit Produktionsstandorten in Bensheim, Berlin, Dinkelsbühl, Niefern, Langen, Ottobrunn und Wört. Insgesamt werden 4900 Personen beschäftigt, die fast 2 Mrd. Euro Umsatz erwirtschaften.

Der faktenreiche Wikipedia-Artikel beschreibt, wie Tyco 1997 seinen Sitz von Pembroke, USA, in das Steuerparadies Bermudas verlegt und 2008 dann nach Schaffhausen in der Schweiz. Der inzwischen als Wirtschaftsverbrecher verurteilte ehemalige Tyco-Vorstandsvorsitzende Dennis Kozlowski betrieb eine aggressive Einverleibungsstrategie bei der von 1991 bis 2001 über 1000 Unternehmen aufgekauft wurden. Kozlowski und der einstige Finanzchef Mark H. Swartz wurden 2005 wegen Bilanzfälschung, Diebstahl und Verschwörung zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.