Start Kriegsdiestverweigerung + Deserteure GI-Cafés - Veranstaltung des Friedensplenums
22 | 07 | 2017
GI-Cafés - Veranstaltung des Friedensplenums PDF Drucken
Donnerstag, den 22. September 2011 um 12:34 Uhr

Aus den Worten you are not alone stilisiertes GewehrEhemaliger US-Soldat informiert über Anlaufstellen für militärkritische US-SoldatInnen

Am 29. September 2011 hat das Friedensplenum Mannheim zu einer Veranstaltung mit Chris Capps-Schubert und Patrick Spahn ins Bürgerhaus Neckarstadt-West eingeladen. Der ehemaligen Soldat Chris berichtete, wie er geworben wurde und was er ab 2004 in der US Army erlebte. Einen Teil seiner Militärzeit (November 2005 bis September 2006)war er in Bagdad eingesetzt.

 

Chris Capps und Patrick Spahn informieren über GI-Cafés

Mit der US-Armee in Bagdad

Obwohl Chris die schlimmen Einsätze erspart blieben – er war vor allem für Wachdienste eingesetzt – wurde ihm klar, dass ein Militäreinsatz ein inhumanes und unakzeptables Mittel ist. Daher verweigerte er sich einer Verlegung nach Afghanistan und desertierte 2007 aus der Armee. Nach mehr als 60 Tagen stellte er sich und wurde aus der Armee entlassen. Chris und Patrick verdeutlichten anhand von Beispielen, wie schlecht viele GIs über ihre Rechte und Pflichten hinsichtlich Rekrutierung und Militärdienst informiert sind. Deshalb berät Chris seit mehreren Jahren ausstiegswillige US-SoldatInnen in Deutschland. Um dafür im wahrsten Sinne des Wortes einen Raum zu schaffen, besann er sich auf die GI-Cafés im Vietnam-Krieg. Für viele kriegsmüde und antimilitaristische Soldaten waren sie ein wichtiger Ort für Gespräch und Austausch mit Gleichgesinnten. Chris arbeitet gemeinsam mit seiner Frau Meike Capps-Schubert daran, ein derartiges GI-Café nun in Kaiserslautern als wichtige Anlaufstelle für Andersdenkende zu betreiben.

Aus den Worten you are not alone stilisiertes GewehrZivildienst in den USA

Patrick Spahn hat eine ungewöhnliche Form des Zivildienstes gewählt: Er wollte einen unmittelbaren und effektiven Dienst für den Frieden leisteten. Diesen Wunsch konnte er mithilfe von Eirene - Internationale Christliche Friedensdienste verwirklichen, indem er beim Center on Conscience & War in Washington, DC von Januar 2009 bis Juni 2010 Friedensdienst leistete. Nachdem er als GI Rights Counselor ausgebildet worden war, beriet und informierte Patrick SoldatInnen und deren Angehörige über ihre Rechte im Militär. Patrick erfuhr dabei sehr unmittelbar im Alltag, welche Auswirkungen das Betreiben einer Freiwilligenarmee auf das Leben in einer militarisierten US-Gesellschaft hat.

Patriotismus und die Akzeptanz des Militärs wird in den USA gezielt gepflegt. Bei Baseball- oder Basketball-Spielen ist "Salute the troops" (etwa: unsere Soldaten grüßen) ein selbstverständliches Ritual, mit dem zur Verbundenheit mit den kämpfenden Soldatinnen und Soldaten aufgerufen und deren Unterstützung eingefordert wird.

Lockvogel der Werber: bezahltes Studium

Seit die Wehrpflicht in den USA 1973 ausgesetzt wurde, benötigt der Militärapparat zusätzlich auch ein Heer von Werbern, um genügend junge Frauen und Männer für das Militär zu rekrutieren. Die enorm hohen Studiengebühren an den Uni sind in den USA für einen normal Sterblichen eine hohe Hürde. Kein Wunder, dass die Werber hier den Hebel ansetzen und mit einem bezahlten Studium locken.

Es ist weniger die Vergesslichkeit eines Werbers, wenn den interessierten jungen Menschen nur Halbwahrheiten oder falsche Informationen aufgetischt werden, vielmehr es hat System. Die Rekrutierer erwecken z. B. gerne den Eindruck, dass man als SoldatIn kaum mit Kampfeinsätzen rechnen müsse. Beliebt ist auch das Scheinargument, man bliebe als Mitglied der Nationalgarde von Kriegseinsätzen verschont, weil diese nicht zum Pentagon gehöre und nicht für Kampfeinsätze verwendet werde. Organisatorisch trifft das ist wohl zu, allerdings kann die Nationalgarde aufgrund von Sonderregelugen durchaus zu Auslandseinstätzen wie im Irakkrieg herangezogen werden.

Ein raffiniertes Mittel ist das "Delay Recruiting Program" eine Art von verzögerter Einberufung. Die dient dazu, Zweifel bei der Angeworbenen zu zerstreuen mit dem Hinweis, man könne es sich ja immer noch überlegen. Falls dem unerfahrenen Interessenten später Bedenken kommen, werden sie mit Einschüchterungstricks bekämpft, z. B. indem der Werber dann mit einem befreundeten Polizisten an der Türe des Interessenten klingelt und angebliche strafrechtliche Konsequenzen andeutet, falls die Unterschrift zurückgezogen werden sollte.

Unwissen auch während der Militärzeit

Beim Militär führen SoldatIInnen Befehle aus trotz Unbehagen und großer Zweifel, weil sie glauben, sie seien dazu verpflichtet. Angesichts der brutalen und rohen Wirklichkeit im Kampfeinsatz erkennen etliche, dass sie naive Vorstellungen über die Rolle des Militärs und ihrer konkreten Arbeit hatten, oder das einfach verdrängt haben. Deshalb würden manche das Militär am liebsten verlassen, wissen aber nicht unter was zu tun ist und mit welchen tatsächliche oder vermeintlichen Nachteilen.

Das Military Counseling Network und die GI Hotline, in welchem u. a. ehemalige Armeeangehörige aktiv sind, leistet durch Beratung wichtige Hilfe für Ausstiegswillige. US-SoldatInnen können einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung stellen, brauchen aber intensive rechtliche Unterstützung. Mindestens genauso wichtig ist die moralische Unterstützung. Einer der es wag, dem Militär den Rücken zu kehren, muss in einer patriotisch-militaristischen Gesellschaft damit rechnen, wie ein Aussätziger behandelt zu werden. Patrick schilderte den Fall eines Kriegsdienstverweigerers aus einem religiös und republikanisch geprägten Elternhaus. Als er von seiner Familie fallen gelassen wurde war er froh, dass ihn das Center on Conscience & War in seiner Haltung bestärkte.

Die SoldatInnen zahlen einen hohen Preis nicht nur weil sie von Tod und Verletzungen bedroht sind sondern auch, weil der Militäreinsatz noch Jahre später sehr belasten kann. Ausdruck findet das z. B. in Form von überdurchschnittlich vielen Selbstmorden oder Obdachlosen unter denen ehemalige GIs.

Dringend nötig: ein GI-Café in Kaiserslautern

Die USA unterhalten derzeit eine Vielzahl an Militärbasen in Deutschland, in denen zehntausende Soldaten stationiert sind, darunter Kaiserslautern als größte US-Militärgemeinde außerhalb der USA. Diese Präsenz ist ein entscheidender Bestandteil für die militärischen Aktivitäten in Irak und Afghanistan. Um dieser Militärpräsenz entgegenzutreten und den zahlreichen kritischen Stimmen innerhalb des US-Militärs eine Plattform zu geben, plant das Military Counseling Network gerade in Kaiserslautern ein GI-Café zu eröffnen. Dass es dafür einen Bedarf gibt, zeigen die zwei GI-Cafés bei den Militärbasen Fort Hood (Texas) und Fort Lewis (Washington). Dorthin kommen jeden Monat hunderte SoldatInnen und informieren sich über ihre Rechte und organisieren den Widerstand gegen die heutigen Kriege.

Chris und seine Frau Meike hatten bereits ein Lokal in günstiger Lage gemietet und saßen schon in den Startlöcher, als de Vermieter einen plötzlichen Rückzieher machte und den Vertag kündigte. Neben Räumlichkeiten benötigen sie und das Military Counseling Network auch Spenden um die Auslagen bezahlen zu können.
Spendenkonto beim Deutschen Mennonitischen Friedenskomitee (DMFK) Kreissparkasse Heilbronn, BLZ 620 500 00, Konto: 212 400 69, Stichwort:
GI Café