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29 | 04 | 2017
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Dienstag, den 17. November 2015 um 22:57 Uhr

Friedensmahnwache Mannheim 27.11.2015Mahnwache: Den Frieden stärken – statt Kriege führen

Die Friedensbewegung verurteilt die Terroranschläge in Paris vom 13.11.2015. Wir erklären  unser Mitgefühl mit den Opfern und ihren Familien.
Wir verurteilen jeden Terror, auch den Kriegsterror!
Rund 100 Personen waren bei der Mahnwache am 27.11.2025 auf dem Marktplatz.

NEU! Rede von Gregory Rabus jetzt als PDF.

Friedensmahnwache Mannheim 27.11.2015Aufgrund der Terroranschläge in Paris und der daraus resultierenden militärischen Interventionen veranstaltete das Friedensplenum eine Kundgebung am 27.11.2015 auf dem Marktplatz in Mannheim. In ihren Reden sprachen sich Gregory Rabus und Roland Schuster für Konfliktlösung durch Verhandlungen und gegen ein militärisches Eingreifen aus. Sie wandten sich gegen Kriegsrhetorik und Rüstungsexporte. Musikalische Unterstützung gab es von Bernd Köhler, Blandine Bonjour und Bettina Franke.

"Kurs der militärischen Unterstützung grundlegend falsch"

In seiner Rede drückte Gregory Rabus sein Mitgefühl für die Opfer der Terroranschläge in Paris aus. Die eindrucksvolle Solidarisierung mit diesen Opfern erklärte er mit der engen Nachbarschaft zu Frankreich, die sich in vielen Kontakten und in Freundschaften ausdrücke. Gleichzeitig hob er auch seine Trauer und Verbundenheit mit den durch Anschläge getöteten Menschen in Beirut hervor genauso wie mit den Anschlagsopfern in Syrien, Irak, Afghanistan, Pakistan, Nigeria oder Mali.

Gregory sprach davon, dass die Franzosen nun gewillt seien aus Trauer und Wut zurückzuschlagen und mit militärischer Macht zu reagieren. Als Deutsch-Amerikaner erinnere ihn das sehr an die Reaktion in den USA auf die Terroranschläge des 11. Septembers, „als die USA blind vor Angst und Wut war“ und mit dem Irak-Krieg Stärke demonstrieren wollten – mit schlimmen Folgen: „Ich muss nicht näher erklären, was für eine Katastrophe das für den Nahen Osten war und wie das den Boden für das Entstehen des IS vorbereitet hat“.

Sowohl Frankreichs Präsident François Hollande als auch Bundespräsident Joachim Gauck sprächen vom Krieg und hielten deutsche militärische Unterstützung durch Aufklärungs-Flugzeuge und den Einsatz der Marine für richtig.

Frankreich solidarisch beizustehen hält Gregory politisch für nachvollziehbar, betont aber gleichzeitig, „dass dieser Kurs der militärischen Unterstützung grundlegend falsch ist. Man kann den Terror nicht mit Terror bekämpfen.“ Er kritisierte auch, dass der Westen mit seinen Militärschlägen viele Zivilisten getötet habe und dafür nie zur Rechenschaft gezogen worden sei.

Beim Thema Waffenlieferung machte Greg klar, dass diese gestoppt werden müssen, insbesondere in den Nahen Osten, ob an Saudi-Arabien oder an die Peschmerga. Die seien zwar heute die Freunde, was sich aber auch schnell ändern könne. Ebenso wenig ließe sich die Waffenweitergabe wirklich kontrollieren.

Deutschland kommt Gregory zwiespältig vor. Einerseits reagiere Deutschland durch das Engagement vieler Menschen für Flüchtlinge und durch die Aufnahmebereitschaft positiv. Andererseits sei die deutsche Außenpolitik durch Militäreinsätze und Waffenlieferungen geprägt.

Abschließend sprach sich Greg für ein eindeutiges Nein „zu der weiteren Beteiligung an Kriegen im Nahen Osten und anderswo, und Nein zu deutschen Waffenlieferungen“ aus. Die Devise Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit müsse um "Menschlichkeit" ergänzt werden.

Rede von Gregory Rabus (PDF)
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Aufruftext zur Mahnwache "Den Frieden stärken - statt Kriege führen"

Wir verurteilen auch den Terror durch die Kriegspolitik, den so genannten „War on Terror“, der letztlich dafür verantwortlich ist, dass der IS überhaupt entstehen konnte. Wir sagen es immer wieder und wieder: Jeder Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit und ist selber schlimmster Terror. Jeder, der Krieg führt, beteiligt sich nach unserer Ansicht an einem Verbrechen. Gewalt erzeugt Gegengewalt.

Wieder muss die Bevölkerung leiden, nicht nur in den Kriegsgebieten z.B. von Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien, sondern diesmal die Bewohner von Paris. Wie immer wird der Terror auf dem Rücken unschuldiger Menschen ausgetragen. Dies zeigen nicht nur die Terroranschläge des IS, sondern auch die Millionen Flüchtlinge, die vor derselben Terror-Gewalt fliehen. Die Brutstätten des Terrors sind verarmte und von Kriegen verwüstete Weltregionen. Die Geschichte der meisten Terrororganisationen, auch des IS, begann mit Instrumentalisierung in Stellvertreterkriegen und Bewaffnung durch die Mächte, gegen die sie sich jetzt richten. Ihren Nachschub erhalten bzw. erbeuten sie aus den Waffenexporten von Großlieferanten wie Deutschland. Der Terror kommt zu denjenigen Ländern zurück, von denen selber Terror durch Kriege ausgeht.

Seit 2001, als die US-Administration mit ihrer Kriegspolitik den „War on Terror“ proklamierte, hat sich die Zahl der Terroristen dramatisch vervielfacht. Der "War on Terror" bedeutet bisher vor Allem durch militärische Aktionen erzwungene "Regime changes" in Afghanistan, Irak, Libyen und seit fünf Jahren in Syrien. Es sind alles Länder, deren Regierungen der USA-Administration nicht kooperativ gegenüberstanden. Anstatt den Terror zu minimieren, haben die Militärs der USA und ihre Verbündetet durch ihren selbst verübten, eigenen Terror, dem schon über eine Millionen Menschen zum Opfer fielen, ein „Terroristen-Zuchtprogramm“ ausgelöst. Terror erzeugt Gegenterror.

Mittlerweile ist der Krieg in Syrien völlig eskaliert und in Bezug auf Assad zu einem Stellvertreter-Krieg mutiert. Viele Länder verfolgen in Syrien ihre Wirtschafts- und Machtinteressen: Saudi-Arabien, Katar und die Türkei instrumentalisieren den IS. Die USA und Frankreich fliegen Bombenangriffe gegen den IS. Russland bombardiert in Syrien alle Gegner von Assad. Die Bomben treffen vor allem die Zivilbevölkerung, die zudem oft an der Flucht gehindert wird.

Die Kriegs- und Terrorspirale muss endlich gebrochen werden. Es gibt keine Alternative: Die Konflikte – mögen sie auch noch so verfahren sein – müssen auf dem Verhandlungswege beendet werden. Dabei müssen alle beteiligten Regierungen und Bevölkerungsgruppen einbezogen werden. Mit dem Geld, das für Waffen und Militäraktionen verschleudert wird, muss die Not der Menschen gelindert und gesellschaftliche Entwicklung gefördert werden. Die Terroristen müssen von dem Nachschub an Söldnern, Waffen und Geld abgeschnitten werden.

Die Kriegspolitik ist erbärmlich gescheitert. Keines der Ziele, die zur ihrer Rechtfertigung genannt wurden, wurde erreicht – im Gegenteil: Statt Demokratie, Wohlstand und Freiheit herrschen Not, Terror und Elend. Nur über Verhandlungen kann man zum Frieden gelangen. Dabei müssen alle Parteien Abstriche von ihren extremen Positionen machen. Im Krieg werden Menschen, die für Ausgleich und Kompromisse sind, als vermeintliche Verräter bekämpft und vernichtet. Übrig bleiben diejenigen, die auf Gewalt und Vernichtung setzen und in deren Weltbild es nur Freunde oder Feinde gibt.

Bürgerinnen und Bürger setzt euch dafür ein, dass diese Kriegspolitik ein Ende hat. Die Politik der Militäreinsätze und Waffenexporte erzeugt nicht nur millionenfach Flüchtlinge und daraus entstehende Fluchtbewegungen nach Europa, sondern auch der Terror wird ins eigene Land geholt.

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