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19 | 09 | 2017
Ostermarsch-Kundgebung am 7. April 2012 in Mannheim PDF Drucken
Montag, den 09. April 2012 um 12:36 Uhr

Thomas Trüper spricht beim Ostermarsch in Mannheim am 7.4.2012

Ostermarsch-Kundgebung in Mannheim 2012

Trotz sehr niedriger Temperaturen waren am Karsamstag, dem 7. April rund 100 Personen darunter Stefan Rebmann, SPD-Bundestagsabgeordneter, und Wolfgang Raufelder, Landtagsabgeordneter der Grünen, zur Ostermarsch-Kundgebung des Friedensplenums Mannheim gekommen.

Eine Mutter mit einem Baby auf dem Arm - in Form einer Großpuppe - und eine Gewehrattrappe lenkten die Blicke der Vorübergehenden auf sich. Diese Installation sollte verdeutlichen, dass aufgrund des jahrelangen Exports von Gewehren des schwäbischen Rüstungsunternehmens Heckler & Koch inzwischen über eine Million Menschen getötet wurden. Die G36-Gewehre von H&K sind ein Exportschlager und werden mit Genehmigung der Bundesregierung auch in Krisenregionen exportiert oder in Länder, die Menschenrechte dramatisch verletzen oder Waffen kaufen, statt die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern.

Stoppt den WaffenhandelDie Passanten wurden mit einem faktenreichen Flugblatt über die skandalöse Lieferung von bis zu 270 Leopard-Panzern an das diktatorisch regierte Saudi-Arabien informiert (zum Flugblatt beim Netzwerk Friedenskooperative). Am Infostand unterstützten 30 Personen das von der Kampagne Aktion Aufschrei geforderte Verbot vor Rüstungsexporten durch ihre Unterschrift. Interessierte fanden dort auch die neueste Publikation der Kooperative für den Frieden mit dem Titel "Syrien zwischen gewaltfreiem Aufstand und Bürgerkrieg". Diese stellt das Geschehen in Syrien aus antimilitaristischer und pazifistischer Sicht dar. Entsprechende Forderungen und Unterstützungsmöglichkeiten werden dargestellt.

Aufschlussreiche Rede*)

In der Begrüßung und Einleitung lobte Otto Reger vom Friedensplenum den Beteiligungsprozess, den die Stadt für die Bürgerinnen und Bürger bei der weiteren Nutzung der von der US-Armee geräumten Kasernen angewendet hat. Zugleich bemängelte er, dass bei der Konversion zu wenig thematisiert werde, dass der Großpuppe neben dem Redner T. Trüper beim Ostermarsch 2012 in MannheimAbzug der US-Armee keine Abrüstungsmaßnahme, sondern eine Rationalisierung des Militärapparates darstelle. So werden die Heidelberger und Mannheimer Kasernen zwar geräumt, dafür aber die Standorte Wiesbaden und Ramstein ausgebaut.

Den Kern der Kundgebung bildete die Rede von Thomas Trüper, Stadtrat für die Links-Partei im Mannheimer Gemeinderat, der für das Friedensplenum sprach. In seiner Rede ging er auf aktuelle Beispiele von Rüstungsexporten wie die U-Boot-Lieferungen an Israel ein und betonte die Wichtigkeit der Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel! Unter dem Stichwort „Kampf um die Köpfe“ wies Trüper darauf hin, dass „kein europäischer oder von Europa ausgehender Krieg des 20. und 21. Jahrhunderts zustande gekommen wäre, wenn es den kriegsinteressierten Kreisen und jeweiligen Kriegsprofiteuren nicht gelungen wäre, die eigentlichen Kriegsziele profund umzudeuten und so eine Massenbasis für den jeweiligen Krieg zu erzeugen.“ Besonders informativ war der historische Rückblick auf die intensiven Antikriegsaktivitäten der Arbeiterparteien vor dem Ersten Weltkrieg, die dann aber doch von der chauvinistischen Stimmung überrollt wurden.

Blutspur des „humanitären Interventionismus“

Anhand von Afghanistan, Libyen und Iran machte Trüper deutlich, welche schlimmen Folgen die militärischen Eingriffe bzw. Vorbereitungen, die als „humanitäre Interventionen“ verbrämt werden, hatten oder haben würden und die keineswegs zu einer Entspannung geführt haben.

Die Forderung nach Abschaffung aller Atomwaffen verband Trüper mit der Darstellung von Fakten im Zusammenhang mit der aktuellen Auseinandersetzung um das iranische Atomprogramm und die israelische Atomwaffenpolitik. Er erinnerte an die alte Forderung der Friedensbewegung nach einer atomwaffenfreien Zone in Mittel- und Nahost. Schließlich ging Trüper auf die aktuelle Debatte ein, die Günter Grass mit seinem Gedicht über die israelische Politik ausgelöst hat. Trüper betonte das Existenzrecht des Staates Israel und erinnerte daran, dass die Besiedelung Palästinas durch jüdische Menschen im Wesentlichen das Ergebnis der nationalsozialistischen Vernichtung der Juden ist. Er forderte die Herstellung einer gerechten Friedensordnung in diesem von wiederholten Kriegen, anhaltender Kriegsgefahr, von Fanatismus und Menschenrechtsverletzungen gezeichneten Weltregion. Gleichzeitig kritisierte er eine „Verwahrlosung im Umgang mit dem Begriff ‚Antisemitismus‘“.

*) zur Rede von Thomas Trüper