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27 | 05 | 2017
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Samstag, den 09. März 2013 um 14:41 Uhr

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Ohne Waffen Menschen schützen, Gewalt vorbeugen

Infoveranstaltung mit Podiumsdiskussion zum 10. Geburtstag der Nonviolent Peaceforce

Am Beispiele Philippinen und Sri Lanka wurde gezeigt, wie Kriege und Konflikte mit gewaltfreien Methoden besser als mit Waffen und Militär überwunden werden können.

Am 15.2.2013 fand im Gewerkschaftshaus Mannheim eine Veranstaltung zum 10-jährigen Bestehen der Nonviolent Peaceforce (NP) statt. Initiiert wurde die Veranstaltung von der AG Nonviolent Peaceforce Deutschland, einem Zusammenschluss von Aktiven der beiden deutschen Mitgliedsorganisationen der Nonviolent Peaceforce, dem Bund für Soziale Verteidigung und dem Forum Ziviler Friedensdienst. Die Arbeitsstelle Frieden der Evangelischen Landeskirche Baden und der DGB Nordbaden unterstützten die Veranstaltung finanziell; das Friedensplenum Mannheim und andere Organisationen trugen zum Gelingen der Veranstaltung ebenfalls bei.

Zu dem Abend waren erfreulicherweise auch sehr viele junge Leute gekommen. Im ersten Teil der Veranstaltung stellte Renate Wanie den beiden Gästen Outi Arajärvi, Mitglied im internationalen Vorstand von NP, und Paul Mettler, Direktor des NP-Projekts Philipinnen, Fragen zu  Arbeitsweise, Organisation und Finanzierung der Nonviolent Peaceforce.

Beide NP-Aktive betonten, dass sich NP aus der Erkenntnis gegründet hat, dass Konflikte mit militärischer Gewalt nicht zu lösen sind und durch den Einsatz bewaffneten Truppen eskalieren. Zahlreiche Beispiele dafür kennt jeder von uns: Afghanistan, Syrien, Israel. Daher hat NP das Konzept des "Unarmed Civilian Peacekeepings" entwickelt, um Konflikte friedlich zu lösen. Ein wichtiger Impuls dazu ging 1999 von der Friedenskonferenz in Den Haag aus. Die Mitarbeiter von NP, die vor allem interkulturelle Erfahrung und Wissen benötigen, verpflichten sich zur Allparteilichkeit, das heißt, sie behandeln alle an dem Konflikt beteiligten Parteien vorbehaltlos. Das Wichtigste an ihrer Arbeit ist es, das Vertrauen der Konfliktpartner zu gewinnen und dieses auch nicht zu enttäuschen. Durch langes, geduldiges Verhandeln werden für alle Seiten akzeptable Lösungen herbeigeführt. Als Beispiel nannte Outi Arajärvi die erfolgreiche Arbeit von NP in Sri Lanka, die allerdings seit 2011 von der dortigen Regierung aufgekündigt wurde. Aber auch im Südsudan und in Georgien sind Mitarbeiter von NP tätig. Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit ist die Akzeptanz der jeweiligen Regierung, dass NP in ihrem Land tätig wird, und die Bereitschaft lokaler Organisationen zur Zusammenarbeit mit NP.

Leider ist Nonviolent Peaceforce noch unbekannt. Ziel dieser Veranstaltung war deshalb, diese Organistion bekannter zu machen.
Outi Arajärvi erklärte, dass die Mitarbeiter von NP eine Ausbildung erhalten, in der sie auch lernen, wie sie sich in gefährlichen Situationen verhalten und schützen können. Aktuell arbeiten weltweit ca. 200 Mitarbeiter für NP. Die Liste der Bewerber ist aber lang, wie Frau Arajärvi betonte.

Nach Auskunft von Pau Mettler ist die Finanzierung der Organisation aber ein großes Problem, so dass NP weitgehend auf Sponsoren angewiesen ist. Beide NP-Vertreter setzen aber große Hoffnung auf die Zukunft der zivilen Friedensarbeit, weil sie aus ihrer Erfahrung glauben, dass diese sich wegen ihrer großen Erfolge immer mehr durchsetzen wird.

Der 25-minütige Film "Unarmed Civilian Peacekeeping – building a Nonviolent Peaceforce" präsentierte Mitarbeiter von NP bei ihrer Arbeit in Konfliktregionen und zeigte anhand von praktischen Beispielen eindrucksvoll, was friedliche Versöhnungsarbeit konkret bedeutet. Der Film verdeutlichte auch, dass hinter dem Konzept der NP die Vision einer langfristigen Friedenssicherung steht.

In der Pause konnte man sich eine kleine Plakatausstellung über die NP-Arbeit ansehen und  sich an Essen und Trinken wie auch an den Liedern der Heidelberger Liedermacherin Jane Zahn laben.

Es folgte eine aufschlussreiche von Stephan Brües vom Bund für soziale Verteidigung moderierte Podiumsdiskussion. Deren Teilnehmer waren Stefan Rebmann, MdB (SPD) und Mitglied im Unterausschuss für Zivile Konfliktbearbeitung und Vernetzte Sicherheit, Stefan Maaß von der Arbeitsstelle Frieden der Evangelischen Landeskirche Baden sowie Catherine Devaux von der Taskforce Zivile Konfliktbearbeitung der Deutschen Sektion von Amnesty International.

Nachdem sich die drei Teilnehmer vorgestellt und kurz ihre Arbeit erläutert hatten, drehte sich die Diskussion vor allem um die Frage, ob es gerechtfertigt sein kann, sich mit militärischer Gewalt in einen Konflikt einzumischen. Diese Frage wurde insbesondere durch Stefan Rebmann aufgeworfen, der betonte: "Militär ist keine Lösung". Andererseits sieht er sich als Politiker in der schwierigen Verantwortung Militäreinsätzen zuzustimmen, wenn es nachweislich darum geht Menschenrechte zu schützen und Morde zu verhindern. Entscheidungen für solche Einsätze müsse er immer vor seinem Gewissen verantworten. Afghanistan war in den Augen der NP-Vertreter kein erfolgreiches Beispiel für einen internationalen Friedenseinsatz.

So blieben an diesem interessanten Abend einige Fragen ungelöst. Dass die Hoffnung auf eine friedliche Welt ohne Kriege nicht nur ein frommer Wunsch ist, wurde durch die Darstellung der Methodenund Erfolge der NP belegt.