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22 | 07 | 2017
Entmilitarisierter Volkstrauertag PDF Drucken
Samstag, den 03. November 2012 um 10:51 Uhr

Gedenkstunde zum entmilitarisierten Volkstrauertag

Auf dem Mannheimer Hauptfriedhof fand am 18. November 2012 die entmilitarisierte Form des Volkstrauertages statt. Der Hauptredner der Veranstaltung Jürgen Grässlin sprach zum Thema "Grund zum Trauern – um die Opfer der deutschen Militär- und Rüstungsexportpolitik" und prangerte Waffenexporte als Skandal an.

Jürgen Grässlin

Die zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag wird seit 1990 auf dem Mannheimer Hauptfriedhof in entmilitarisierter Form vom Arbeitskreis Volkstrauertag (u. a. DGB Region Rhein-Neckar, VVN-BdA, Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen, DFG-VK und freireligiöse Gemeinde) durchgeführt. Früher beteiligte sich der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge an der Gedenkstunde, zog sich aber 1996 zurück und veranstaltet nachmittags eine eigene Feier.

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

Leitgedanke der entmilitarisierten Gedenkstunde ist es, aller Opfer aller Kriege zu gedenken. Deshalb werden beim Schweigeweg die Opfer von Faschismus und Kriegen in Einzelschicksalen dargestellt, um sie aus der Anonymität herauszuholen. Schirmherr der Veranstaltung war Stefan Rebmann, der Vorsitzende der DGB-Region Nordbaden.

 

Stefan Rebmann Gabriele Katzmarek

Grund zum Trauern – um die Opfer der deutschen Militär- und Rüstungsexportpolitik

In einer aufrüttelnden Rede kritisierte Jürgen Grässlin, Sprecher der DFG-VK, dass Deutschland seit Jahren der weltweit drittgrößte Waffenexporteur ist. Die Rüstungsunternehmen haben keine Skrupel Waffen in alle Welt zu liefern darunter auch an Staaten, die miteinander verfeindet sind oder konkurrieren wie etwa Pakistan und Indien oder Israel und Ägypten. Für die Rüstungsunternehmen ein todsicheres Geschäft.

Grässlin berichtete von seinen Reisen u. a. in die Türkei und Somalia, wo er mit Hinterbliebenen von Toten sowie Verletzten sprach, die Opfer deutscher Waffen sind, insbesondere der Gewehre von Heckler & Koch.



Besucher des entmiltitarisierten Volkstrauertages, Mannheim 18.11.12Grässlin verwies auf eine Studie des Deutschen Roten Kreuzes wonach in bewaffneten Konflikten fast Dreiviertel der Opfer durch Kleinwaffen, also Pistolen und Gewehre geschädigt werden. Und genau in diesem Bereich sind die deutschen Waffenexporte angestiegen. Der geheim tagende Bundessicherheitsrat unter Kanzlerin Merkel hatte keine Skrupel, Panzerexporte nach Saudi-Arabien, Indonesien und Katar zu genehmigen. Dass stieß auf heftige Kritik, weil der Bundessicherheitsrat ohne jede Kontrolle entscheidelt und Waffenexporte in Staaten genehmigt, die die Menschenrechte verletzten.

 

Grässlin setzt sich für ein im Grundgesetz verankertes Verbot aller Rüstungsexporte und eine weltweite Kampagne gegen Waffenherstellung und –handel ein. Daher engagierte er sich auch als Sprecher der Kampagne Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!, die von über 100 Organisationen getragen wird und für ihre Erfolge jetzt mit dem Stuttgarter Friedenspreis ausgezeichnet wurde. Den Deserteuren aller Kriege Kranz der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnenMit Antikriegsliedern sorgten Blandine Bonjour und Bernd Köhler für die musikalische Umrahmung. Nach der Begrüßung durch Miriam Walkowiak vom DGB sprach Stadträtin Gabi Katzmarek (SPD) ein Grußwort für die Stadt Mannheim.

Schweigeweg zu den Opfer-Gedenkstätten

An die Reden in der Trauerhalle schloss sich der traditionelle Schweigeweg zu den Opfer-Gedenkstätten an. Am Gräberfeld der Zwangsarbeiter wurde das Filmprojekt „Das kann man nicht vergessen, aber niemand erinnert sich daran“ vorgestellt. Der Film porträtiert die polnischen Zwangsarbeiter, die in Mannheim gefangen waren und deren Schicksal in der KZ Gedenkstätte Mannheim-Sandhofen dargestellt wird.

Um das Wirken und die Ermordung der antifaschistischen Widerstandkämpfer Fritz Abel (KPD) und Ludwig Ruf (SPD) ging es an der KZ-Gedenkstäte. An der Soldaten-Gedenkstätte wurde der Lebensweg des angolanischen Kriegsdienstverweigerers Emanuel Matondo dargestellt, dessen Motto lautet: „Ich will zum Umdenken anregen“.

Bericht im Kommunal-Info Mannheim

Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!: www.aufschrei-waffenhandel.de