Start Afghanistan Ergebnisse der Afghanistan-Konferenz
17 | 10 | 2017
Ergebnisse der Afghanistan-Konferenz PDF Drucken
Freitag, den 29. Januar 2010 um 08:58 Uhr

Und wieder grüßt der Fälscher

Schuldenerlass, ziviles und militärisches Engagement. Die meisten Beschlüsse der
Londoner Afghanistan-Konferenz wurden bereits mehrmals gefällt.
VON SVEN HANSEN

Für den britischen Premierminister Gordon Brown ist die Afghanistan-Konferenz in London ein willkommenes Heimspiel, um sich als entschlossener Staatsmann zu präsentieren: "Unsere Botschaft an al-Qaida ist klar: Wir werden euch besiegen. Und wir besiegen euch nicht nur auf dem Schlachtfeld, sondern auch in den Herzen und Köpfen der Menschen." Vollmundig verspricht er den Afghanen ein Leben in mehr Wohlstand, "frei von Terrorismus".

In London war nichts


"Statt sich auf eine internationale Hilfsbürokratie zu verlassen, sollten die Anstrengungen der Afghanen unterstützt werden." Karsai wurde in Aussicht gestellt, dass bald 50 Prozent der Entwicklungshilfemittel über den afghanischen Haushalt ausgegeben werden sollen.
Zur Korruptionsbekämpfung machte Karsai nur wolkige Versprechen. Doch verpflichtete sich seine Regierung in der Abschlusserklärung zur Einrichtung von vier Gremien, welche die Korruption bekämpfen sollen. Dies lässt Kompetenzgerangel und Ineffizienz befürchten.
Bei der Konferenz verkündet wurde zudem noch ein Schuldenerlass für Afghanistan in Höhe von 1,3 Milliarden Euro. Der schwedische Diplomat Staffan de Mistura, bisher Leiter der UN im Irak, soll künftig die UN-Mission im Irak leiten.
De facto verpflichteten sich die knapp 60 teilnehmenden Staaten mit der Konferenz zur Unterstützung der Afghanistanpolitik der US-Regierung von Barack Obama und seines Generals McChrystal. Letzterer nahm zwar Anpassungen in der Militärstrategie vor, doch waren die meisten Beschlüsse von London in den vergangenen Jahren schon in ähnlicher Form bei den zahlreichen Afghanistan-Konferenzen gefallen. Auch diese sollten die Menschen in den Truppenstellerstaaten bei Laune halten und den Eindruck eines sinnvollen und koordinierten Vorgehens erwecken. Es dürfte an ein Wunder grenzen, wenn die Vorhaben ausgerechnet diesmal gelingen sollten.

Quelle: Taz 29.1.2010